Email an Luzius Mader Delegierter für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen, in Bern

From: Luzius.Mader@BJ.admin.ch
To: psychiatrie-erfahrene-schweiz@hotmail.com
Subject: AW: Psychiatrie Erfahrene Schweiz
Date: Tue, 28 Oct 2014 07:37:22 +0000

Sehr geehrter Herr Bänninger

Ich habe von Ihrer Mitteilung und Ihrem offenen Brief Kenntnis genommen. Ich bedaure, dass Ihr Schreiben in einem sehr polemischen Ton abgefasst ist, denn das weckt bei mir Zweifel, ob Sie überhaupt gewillt sind, eine sachliche Antwort entgegenzunehmen. Zudem enthält es verschiedene offensichtlich unzutreffende Aussagen und bringt diverse Missverständnisse zu Ausdruck, denen wir in Zusammenhang mit der Problematik der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierung vor 1981 immer wieder begegnen und bei denen die Erfahrung leider zeigt, dass wir sie praktisch kaum zu korrigieren vermögen.

Ich bin persönlich mit den heutigen Verhältnissen in psychiatrischen Kliniken nicht vertraut, nehme aber an, dass diese doch kaum mehr vergleichbar sind mit denjenigen vor 1981. Denn wesentliche Rahmenbedingungen sind heute anders: es bestehen Rechtsmittel, die vor 1981 in vielen Fällen nicht bestanden; die KESB sind professionalisiert; die Anforderungen der EMRK sind einzuhalten; die Aufsicht ist besser, etc. 

In einem Punkt gehe ich mit Ihnen gerne einig: Es kann nicht nur darum gehen, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Die umfassende Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 muss auch mit Blick auf Lehren geleistet werden, die für für die Gegenwart und die Zukunft daraus ziehen können und müssen. Deshalb bin ich durchaus offen für sachliche Hinweise zur Situation heute.

Mit freundlichen Grüssen    

 Luzius Mader
Stellvertretender Direktor

Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD
Bundesamt für Justiz BJ
Direktionsbereich Öffentliches Recht

Bundesrain 20, 3003 Bern
Tel.       +41 58 462 41 02
Fax      +41 58 462 84 01
luzius.mader@bj.admin.ch
www.bj.admin.ch

 

From: psychiatrie-erfahrene-schweiz@hotmail.com
To: sekretariat@fuersorgerischezwangsmassnahmen.ch
Subject: Psychiatrie Erfahrene Schweiz
Date: Fri, 24 Oct 2014 14:44:17 +0200

Sehr geehrter Herr Mader

Wie wir Ihrer Webpage: http://www.fuersorgerischezwangsmassnahmen.ch/index.html entnommen haben, erfolgen die Entschädigungszahlungen Anspruchsberechtigter bis ins Jahr 1981.Wir von den Psychiatrie Erfahrenen Schweiz empfinden dies als Hohn und Spott all jener die bis weit ins 21 Jahrhundert via FFE (Fürsorgerischer Freiheitsentzug) von Regierungsstatthaltern und Laienbehörden in Psychiatrische Anstalten „versenkt“ wurden und dort mit Psychopharmakas gegen Ihren Willen ruhiggestellt wurden.Auch heute noch werden (dato 24.10.2014) von den KESB (Erwachsenen und Kindesschutzbehörden) aufmüpfige unbequeme Zeitgenossen via FU (Fürsorgerische Unterbringung) in Psychiatrische Kliniken „versenkt“ und von den Ärzten und dem Pflegepersonal gezwungen Psychopharmaka einzunehmen.Setzt man sich zur Wehr wird man zwangsbehandelt.

Sämtliche Art. der EMRK werden in den Psychiatrischen Kliniken hierzulande während eines Aufenthaltes ausgehebelt.

Ihre Geschichte (oder besser gesagt Ihr gejammer) hört nicht einfach im Jahr 1981 auf, nein es geht weiter bis heute.

Was gedenken Sie eigentlich zu tun für die Opfer von Heute und Morgen?

Wahrscheinlich gar nichts, das sind wir uns ja gewöhnt von diesem geizigen Staat.

Wir würden eine schriftliche Stellungnahme Ihrerseits sehr zu schätzen wissen.

Dieses Mail an Sie finden Sie übrigens auf unserer Hompage veröffentlicht:

https://www.psychiatrie-erfahrene-schweiz.org

Freundlich Grüsst
M.Bänninger
Psychiatrie Erfahrene Schweiz

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