Interview mit Matthias Bänninger dem Urheber des Internet-Blogg www.psychiatrie-erfahrene-schweiz.org

Ihren Internet-Blog www.psychiatrie-erfahrene-schweiz.org gibt es nun schon seit gut zwei Jahren, wie sieht ihre Bilanz aus?

Sehr durchzogen. Ich greife immer wieder Themen auf von denen ich denke sie könnte meine Leserschaft interessieren, den Besucher habe ich laut Google Analytics genug und man findet meinen Blog auch über Google. Leider hapert es ein bisschen mit dem Blog. Da kommt praktisch nichts rein. Ich habe zwei oder drei Kommentare gepostet sonst ist der Posteingang gähnend leer und das Monat für Monat Jahrein Jahraus.

Woran könnte das liegen? Ihr Blog war ja eigentlich gedacht damit sich Psychiatrie Erfahrene untereinander austauschen können oder zu verschiedenen Themen sich äussern können!

Nun, darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich vor allem Medienberichte (Videos oder Zeitungsartikel) zum Thema Psychiatrie auf meinem Blog poste und sehr wenig Eigenes verfasse. Ich kann ja nicht irgendwelche Krankenakten von Personen die ich kenne auf meinen Blogg schalten. Das verletzt den Datenschutz. Somit kann ich mich nur auf die Aussagen von Psychiatriepatientinnen und Patienten verlassen die mir zugetragen werden und mit diesen Informationen gehen sie nicht aufs Netz sonst verlieren sie gegenüber den Psychiatrie Erfahrenen Ihre Glaubwürdigkeit. Mein Blog sollte eigentlich dazu dienen über Grundsätzliches in der Psychiatrie zu diskutieren und nicht kleine „Bürgerkriege“ zu entfachen. Aber Vielleicht ist es auch einfach ein Totes gebiet. Denn alles was man über Psychiatrie sagen kann wurde schon gesagt und publiziert. Da sind einerseits die Psychopharmaka welche die Lebenszeit um bis zu 25 Jahre verkürzen können und andererseits die nicht von den Nebenwirkungen der Medikamente zu unterscheidenden Symptome einer psychiatrischen Diagnose. Dazu hätte man Gelegenheit sich in meinem Blog zu äussern. Aber die Meisten die es betrifft, so meine Erfahrungen, kommen aus bildungsfernen Familien. Die wissen zwar, wie man auf dem I Phone eine WhatsApp Nachricht verfasst auf Schweizerdeutsch aber bei der Schriftdeutschen Sprache hört ihr Horizont augenblicklich auf zu existieren und dann gibt es noch die, die schlicht und einfach zu faul sind etwas mit Substanz zu posten auf meinem Blog.

Oder es gibt einfach zu wenige Menschen die in Psychiatrische Kliniken eingewiesen werden?

Das wiederum glaube ich nun gar nicht. Wenn man sich die Statistiken anschaut sind es Jedes Jahr zehn Tausende von Menschen die in Psychiatrische Kliniken eingewiesen werden und die hätten einiges zu berichten. Man muss dies ja nicht unter seinem richtigen Namen tun man kann sich ja ein Pseudonym zulegen und schon geht’s los.

Schämen sich viele und sehen sich als Opfer der Psychiatrie?

Das kann gut sein. Doch leben wir auch in einer Gesellschaft die sehr hohe moralische Wertvorstellungen hat. Schlägt einer über diese Stränge und sei es nur ein kleines bischen kann (muss aber nicht) er bereits zum Fall für die Psychiatrie werden. Kleinste Auffälligkeiten im Lebenswandel oder hinsichtlich der Arbeitsmoral werden hierzulande mit einem Psychiater quittiert.

Dabei ginge es auch anders. Ich habe selber Menschen kennengelernt die hatten z.B. ein massives Alkoholproblem, waren aber auch sturzbetrunken grossartige Maler, Bildhauer oder Pianisten die wunderbare Bilder gemalt, Skulpturen gemeisselt und Musik gemacht haben. Als ich zwei Jahre in den USA gelebt habe, habe ich über meinen Kollegen der am Berklee College of Music in Boston studiert hat einen Messie kennen gelernt der ein wunderbarer Jazz Posaunist war und in einer Jazz Band mitgemacht hat. Jeder Mensch hat doch Qualitäten, auch Psychiatrie Patienten aber in den Kliniken wird meist nur auf Ihren Dysfunktionen „rum gehämmert“. Von der Ärzteschaft wie vom Pflegepersonal. So verfallen sie am Schluss nur in Depressionen gegen die man sie wiederum mit Psychopharmaka behandelt bis dann überhaupt nichts mehr vorhanden ist und sie zum Pflegefall werden.

Wie lange wird es ihren Blog noch geben?

Nun, dass weiss ich nicht wirklich. Ich lasse ihn nun noch bis September 2016 laufen und dann werde ich ihm mit grosser Wahrscheinlichkeit den Todesstoss geben wie einem Stier in einer Stierkampf Arena irgendwo in Spanien nur werde ich meine Host Gebühren einfach nicht mehr bezahlen!

Besten Dank für das Interview 

Besten Dank Ihnen

Das Interview wurde geführt von Thomas Spöri / Psychiatrie Erfahrener Schweiz

 

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