Interview mit Matthias Bänninger Urheber der Internetplattform Psychiatrie Erfahrener Schweiz

Sie haben eine Internetplattform gegründet mit dem Namen „Psychiatrie Erfahrene Schweiz“ warum?

Ich habe festgestellt das es viele Organisationen gibt die sich für Menschen mit einer „psychischen Störung“ einsetzten. Die machen sich aber allesamt auch gleich zum Sprachrohr für Menschen mit einer „psychischen Störung“.

Ich wollte eine Internetplattform ins Leben rufen welche keine „Sprachrohr“ Monologe führt von irgendwelchen selbsternannten Päpsten der Psychiatrie für Psychiatriebetroffene sondern wo sich Betroffene selbst zu Wort melden können und Ihre Sicht der Dinge darlegen können. Das war der Grundgedanke, nach dem Motto, wir brauchen keine Ein Flüsterer wir haben selbst eine Meinung und einen freien Willen und wissen, jeder für sich, was für uns das Beste ist und was wir wollen aber vor allem was wir nicht mehr wollen. Dem kann man über meine Internetplattform Ausdruck verleihen. Ich dachte es wäre nun an der Zeit dass sich auch die Psychiatriebetroffenen (Heimbewohner, Patienten in Kliniken etc.) etwas emanzipieren.

Aber auch Psychiater und Fachpersonen die mit der Psychiatrie in irgendwelchem Zusammenhang stehen können Posten was Sie wollen?

Ja, klar dem ist so. Aber meine Plattform richtet sich vor allem an Psychiatrie Erfahrene in der Schweiz, obwohl ich immer wieder auch ausserhalb der Kuhweide grase. Vor allem im deutschsprachigen Teil Europas wie der Bundesrepublik Deutschland die ganz grossartige Organisationen für Psychiatrieerfahrene beherbergt wie z.B. die BPE (Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V.). Dieser Organisation hat die Schweiz nichts entgegenzusetzten, die sind uns Lichtjahre voraus sowohl was die Organisation angeht als auch die Unterstützung ihrer durch Juristen.

Aber die Schweiz hat doch auch Organisationen, ich denke da an eine Pro Mente Sana oder Pro infirmis oder wie sie alle heissen…

Ja, aber das ist alles Makulatur. Uns geht es um Fragen wie, ist die Psychiatrie eine Wissenschaft oder nicht, darf man einen Menschen gegen seinen Willen mit Medikamenten behandeln (Grundsatzfrage) und gibt es „psychische Störungen“ v. psychische Krankheiten überhaupt oder ist das eine Erfindung der „Obrigkeit“ um Ihre „Knechte“ in Schach zu halten.

Die von Pro Mente Sana und Pro Infirmis sind in der Schule alle auf den vordersten Bänken gesessen und haben alles Buchstabengetreu mitgeschrieben was Ihnen die Päpste der Psychiatrie ins Ohr diktiert haben. Die „Päpste“ wiederum werden geleitet wie Marionetten von irgendwelchen Partikularinteressen der Pharmaindustrie oder einer rechtsbürgerlichen Politik.

Wir möchten da unabhängiger sein, anarchiescher. Gerade wenn sie auf dem Gebiet der Zwangspsychiatrie operieren ist das Feld in unserer lieben schweizerischen Rechtsprechung voller Minen (Gummi-Paragraphen), sehr interpretationsbedürftig. Da können sie keine Rechtsanwälte brauchen, da brauchen sie Linksanwälte sog. Winkel-Advokaten die sich mit Herzblut für den freien Willen eines Menschen einsetzten und diese Fälle, sollte es den nötig sein, bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen und damit Präjudize schaffen welche Auswirkungen auf unsere Rechtsprechung haben werden. Diese Anwälte kann man sich in der Schweiz an einer Hand abzählen.

Mit der Behindertenrechtskonvention welche die Schweiz nun endlich bei den Vereinten Nationen Signiert hat (als praktisch letztes Land in Europa) wird es auch und gerade in der Psychiatrielandschaft Schweiz einige Änderungen geben vor allem was das Thema Zwangsbehandlung in Psychiatrischen Institutionen angeht.

Auf unser SVP dominiertes Bundesgericht in Lausanne können wir dabei natürlich nicht zählen dazu braucht es couragierte Anwälte und die sind nicht nur in der Schweiz rar sondern in ganz Europa. Wenn sie fast bis zum Herzstillstand in einer Psychiatrischen Klinik Zwangsbehandelt wurden und einen solchen Anwalt auf eigene Faust finden der sie da raus schleust, dann können sie wirklich sagen: „ ich hatte einen Schutzengel“.

Aber Zwangsbehandelt wird man ja nicht von ungefähr. Entweder liegt eine akute Selbstgefährdung oder eine akute Fremdgefährdung vor.

Ja schon, doch die Frage ist eigentlich warum jemand akut Selbst- bzw. Fremdgefährdet ist. Meist werden diese Zustände erst geschaffen, wenn jemand auf einer Geschlossenen Abteilung einer Psychiatrischen Klinik zurückbehalten wird. Meistens ist der Betroffene nämlich wütend und frustriert auf die ihm die Freiheit beraubenden Ärzte, Familienangehörige, die KESB oder wer sonst noch alles in seinen Fall verstrickt ist. Als Reaktion zeigt er dann eben unter Umständen eine akute Selbst- bzw. Fremdgefährdung. Doch regelmässig werden die Zusammenhänge vom Pflegepersonal und den Ärzten der Kliniken auseinanderdividiert, bis nur noch Ihre Wissenschaftliche These einer Psychotischen Anamnese im Vordergrund steht und die kennt nur eine Lösung des Problems und das ist die Psychopharmaka Keule. Was natürlich völliger Quatsch ist.  

Sie stellen die Wissenschaftlichkeit der Psychiatrie in Frage?

Ja, selbstverständlich tue ich das, weil es für mich noch eine Welt gibt in welcher es Ursachen und Wirkungen gibt oder besser gesagt Kausalitäten. Das eben beschriebene Szenario ist so eine Kausalität. Während die Psychiatrie no matter what behauptet es liege dem allem eine Störung im Hirnstoffwechsel zugrunde also ein gestörtes Gleichgewicht zwischen dem Synaptischen Spalt und den Dopamin Rezeptoren und dem Dopamin das von den Dopamin Rezeptoren aufgenommen wird.  

Wenn man dieses Ungleichgewicht nun mit Medikamenten behandle dann sei der Patient nach mehreren Wochen wieder geheilt. Was natürlich völliger Blödsinn ist, weil noch niemand am Lebenden Hirn diese Dysfunktion der Dopamin Rezeptoren und dem Dopamin beobachtet hat, denn dazu müsste man einem lebenden Menschen die Schädeldecke aufschneiden und sein Hirn in einem Labor komplett voneinander nehmen und alles synchron unter Beobachtung stellen was einem Frankenstein Experiment gleichkäme.

Link==> Neurotransmitter – Botenmoleküle im Gehirn

Nein, nein, all das sind Theorien der Psychiatrie für welche unser Gesundheitssystem in der Schweiz jedes Jahr Millionen von Franken ausgibt übrigens Milliarden Weltweit wenn man an die Entwicklung von Psychopharmaka durch die Pharmafirmen denkt. Aber auch nach mehreren Jahren Forschung mit MRI Bildern hat man bis heute kaum mehr herausgefunden und die Wirksamkeit von Psychopharmaka ist nach wie vor ein sehr umstrittenes Thema wie sie meiner Webpage entnehmen können.

Besten Dank für das Interview

Danke Ihnen

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